wie ich zum malen gekommen bin

Alles hat 1998 bin einer Packung Wachsmalstifte angefangen. Damit habe ich selbstverständlich nicht nur mein „Zeichenpapier“ bemalt, sondern alles, was nicht ordentlich weggeräumt worden war. Darunter z.B. ein handgeschriebenes Telefonbuch oder ein Bettbezug, der nach meiner Verschönerung ein Schienenmuster trug.

Das Malen war also seit ich Denken kann eines meiner Hobbys. Irgendwann kamen dann dicke (!) Buntstifte (für Kinder wegen des Grips besser geeignet) und später Wasserfarben dazu. Die einfachen, die man auch in der Schule verwendet.
Mein Faible für Schreibwaren (Stifte aller Art, in den verschiedensten Farbtönen; Mäppchen oder lustige Radiergummis) war sehr früh sehr stark ausgeprägt. Danke an dieser Stelle an meinen Opa, der mir meistens alle meine Stifte- und Mäppchenwünsche erfüllt hat. 

Wasserfarben haben mich schon immer fasziniert. Anstelle von einem Kasten, hatte ich irgendwann drei (einer war sogar ein Doppeldecker), ein Pinselset zum Ausrollen (wie die Messertaschen, in denen Köche ihre tollen Küchenmesser transportieren) und brauchte eine Kiste für die ganzen Sachen in der Schule. 

Im Kunstunterricht habe ich viele andere Mädels immer für ihre sorgfältige und, in meinen Augen, fast schon penible, Art bewundert Sachen auszuschneiden, auszumalen, oder – und das kann ich bis heute nicht – Papierstückchen ordentlich irgendwo einzukleben.

blessed mess

Dass Wasserfarben ineinander verlaufen, dass sie Platz brauchen – dass hat mir gefallen. Die Mädels in meiner Klasse benutzten, immer genau so viel Wasser, dass die Farben gerade nass genug waren, um damit ohne Risiko eine Form genau ausmalen zu können. Mein Mama hat einmal zu mit gesagt „Wasserfarben heißen nicht umsonst so – da muss einfach schön viel Wasser ran.“ Und diesen Rat hab ich mir dann auch zu Herzen genommen. So entstanden dann bunte Bilderwände in unserem Haus mit meinen „Kunstwerken“. Jeder, egal ob er wollte oder nicht, hat Bilder für die Zimmertür bekommen. 

Meine Mama ist sowieso diejenige, die mich ans Malen, die guten Farben und Materialien herangeführt hat und mich ermutigte, neue wilde Motive auszuprobieren und mich nicht von ein paar Randlinien einengen zu lassen.

 

irises watercolor painting

Als ich ungefähr 10 war, schenkte sie mir meinen Aquarell-Kasten mit drei Echthaar-Pinseln – den, den ich heute noch benutze. Dazu bekam ich einen guten Block Aquarellpapier. „Die Farben sind etwas ganz Besonderes. Pass gut darauf auf.“ hat sie mir gesagt. Und das tat ich auch.

Aus Angst, die guten Farben zu verschwenden und zu schnell leer zu malen, lag der Kasten nach anfänglichem Ausprobieren ein paar Jahre in der Schublade. Zusammen mit einem Pastell-Kreideset, meinen Wachs- und Buntstiften und einigen Bögen Papier.

Mit 13 oder 14 Jahren verkroch ich mich stundenlang in meinem Zimmer und fertigte Bleistiftskizzen von allen möglichen Gesichtern, Händen, Masken oder Kleidungsstücken an (insgeheim wollte ein kleiner Teil von mir nämlich schon immer Mode designen). Der Aquarell-Kasten blieb derweil immer noch in der Schublade.

long time, no see

Erst 2016, mitten im Studium, hatte ich mal wieder Lust bekommen, diese Farben auszuprobieren. Ich hatte ganz vergessen, welche Techniken es gibt und wie es sich anfühlt, mit Aquarell zu malen. Die ersten Sachen, die ich gemalt habe, waren ein paar Blumen. War ich zufrieden damit, wurden die Bögen zu Lesezeichen zugeschnitten und wieder an alle, die nicht danach gefragt haben, verschenkt. 

2018 startete ich dann meinen Instagram-Kanal @heavyweightpaper. Nach ungefähr vier Wochen löschte ich ihn aber wieder. Nicht gut genug, keine kreativen Ideen, keine Lust. 

Bei einer Freundin aus dem Studium entdeckte ich irgendwann ein Buch von Jenna Rainey, eine Künstlerin aus den USA, die einen 30-Tage-Workshop für Aquarell in diesem Buch veröffentlicht hat. 

Ein Glück hatte der Kreativmarkt in Erfurt dieses Buch vorrätig! „Mal reinschauen kann ich ja..“. Und dann ging’s so richtig los. Mit diesem Buch fing ich an, meine Technik wieder aufzufrischen, einfach loszumalen und nach und nach kamen dann die eigenen Ideen. 

Ich merkte wieder, wie erfüllend es ist, zwei oder drei Farben ineinander verlaufen zu sehen – diese Momente sind für mich einfach pure Magie… So genau hat man nie in der Hand was draus wird. Super ordentlich mit Aquarell zu malen geht bei mir einfach nicht – und das ist auch gut so. 

Denn genau darin liegt der Zauber: zu sehen, wie sich die Farbpigmente miteinander vermischen, tausend Farbtöne und -abstufungen entstehen und man in einer eigentlich einfachen Tätigkeit wie dem Malen versinken kann. 

2 Antworten

  1. Das ist ja eine so rührende zu Herzen gehende Geschichte.
    Ich kann alles sehr gut nachvollziehen und bin ganz geruehrt.
    Ich bin soo stolz auf dich und nicht nur ich!!
    Deine Tante R.

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